Rolf B. saß wieder vor mir in meiner Praxis.
Diesmal auf Krücken. Das linke Bein in einer Spezialschiene. Sein Gesicht gezeichnet von durchwachten Nächten und der Realität dessen, was passiert war.
Ich schaute ihn an. Lange. Schweigend.
Dann sagte ich nur einen Satz:
"Warum haben Sie mir nicht vertraut?"
Sein Blick senkte sich.
Stille.
Dann begann er zu sprechen. Leise. Mit brüchiger Stimme.
"Herr Doktor... ich... ich hätte auf Sie hören sollen."
Er schluckte schwer.
"Wissen Sie, was das Schlimmste war? Der Schmerz. In dem Moment, als es passierte... ich dachte, jemand hätte mir ins Bein geschossen. Ich habe im ersten Moment wirklich geglaubt, dass auf mich geschossen wurde. So hat es sich angefühlt."
Er hielt inne. Seine Hände zitterten leicht.
"Das war der schlimmste Schmerz meines Lebens."
Seine Augen wurden feucht.
"Ich habe mir schon Knochen gebrochen."
"Ich hatte einen Bandscheibenvorfall."
"Aber das hier..."
"Das war etwas völlig anderes."
"Es war, als hätte mir jemand ein glühendes Messer in die Wade gerammt."
"Und dann kam dieses Gefühl, als würde mein Bein nicht mehr zu mir gehören."
"Als wäre es... abgetrennt."
"Ich konnte meinen Fuß nicht mehr bewegen."
"Er hing einfach nur da."
Er wischte sich über die Augen.
"Und wissen Sie, was mir durch den Kopf ging, als ich da auf dem Boden lag und vor Schmerzen schrie? Der Arzt hatte Recht. Er hatte verdammt nochmal Recht. Und ich Idiot wollte nicht hören."
Seine Stimme wurde bitter.
"Jetzt habe ich eine Narbe am Bein. Neun Monate Rehabilitation vor mir. Und die Ärzte sagen, ich werde vielleicht nie wieder so Tennis spielen können wie vorher."
Er griff nach meiner Hand.
"Bitte, Herr Doktor. Wenn Sie mir noch einmal irgendetwas empfehlen... egal was... ich werde es sofort tun. Ich werde nie wieder nicht auf Sie hören."